Über das Parkpickerl und den Verkehr der Zukunft

Bild: Gregor Neupert

Bild: Gregor Neupert
Seit der Ankündigung des flächendeckenden Parkpickerl in Wien gab es viele Fragen und Reaktionen, teils positiv und teils negativ.
Wir haben deshalb unseren Bezirksvorsteher Ernst Nevrivy um ein Interview ersucht, um mehr über die ganze Sache zu erfahren.

Es wird das Parkpickerl jetzt flächendeckend in Wien eingeführt, warum das?
Seit Jahren haben wir einen Parkpickerlfleckerlteppich, zahlreiche Pendler, und die Auslastung der Parkplätze steigt Jahr für Jahr.
Was das umso schlimmer macht, ist der Umstand, dass es in Teilen der Bezirke, insbesondere in der Nähe von öffentlichen Verkehrsmitteln bereits eine Auslastung von 100 % gibt.

Verschiedene Szenarien sprechen von 2000-5000 Autos mehr in den nächsten Jahren, das klingt jetzt nicht wirklich dramatisch.
Ist es aber! Die stehen ja nicht irgendwo, sondern dort, wo es jetzt schon keine Parkplätze gibt, und fahr einmal in der Nähe der U-Bahnen solange bist Du 2000 freie Parkplätze findest, das ist ein Ding der Unmöglichkeit.

Und deswegen macht man gleich Parkpickerl für alle? Gibt es nicht andere Alternativen, zum Beispiel Teilbereiche oder nicht alle Bezirke?
Nein, würde man es nur in einigen Bezirken machen, dann verschiebt man das Problem nur in einen anderen Bezirk! Davon rede ich schon seit Jahren, man braucht eine gemeinsame Lösung, keinen Fleckerlteppich! Und Parkpickerl für Teile des Bezirks funktioniert auch nicht, das würde nur die Autos in parkpickerlfreie Gebiete verdrängen. Das hat man an Simmering gesehen, da war das Chaos perfekt. Aber nicht nur. Auch in anderen Bezirken hat man Teile ohne Parkpickerl versucht, was dazu geführt hat, dass die Gebiete, die kein Parkpickerl hatten, völlig egal wo die gelegen sind, zugeparkt wurden.

Auch in Gebieten, wo der Öffentliche Verkehr nicht so dicht ist?
Ja, auch dort und das, „warum“ kannst Du Dir hier in der Donaustadt anschauen. Viele Autofahrer sind auch Firmenautobenutzer. Bedeutet, die holen am Montag oder auch täglich das Firmenauto und stellen stattdessen ihren Privat-PKW ab. Das Ganze im großem Umfang schau Dir die Zahlen an, wir haben in der Donaustadt 85000 Parkplätze und es pendeln 17000 täglich in die Donaustadt.

Aber vor ein paar Jahren wollte der Bezirk das flächendeckende Parkpickerl ja noch nicht, woher der Sinneswandel?

Bild: Christian Fürthner

Das stimmt, ursprünglich waren wir der Meinung, es gibt eine andere Lösung über ein Landesgesetz. Sowohl Verkehrsstadträtin Vassilakou später Hebein haben das auch bestätigt.
Es hat sich aber herausgestellt, dass das nicht möglich ist. Da Simmering schon im Begriff war, das Parkpickerl einzuführen, haben wir die MA46 damit beauftragt zu untersuchen, welche Auswirkungen die Einführung in Simmering auf die Donaustadt hat. Deshalb haben wir die MA46 damit beauftragt, genau das zu untersuchen. Die Zahlen, die ich vorher genannt habe, stammen großteils aus dieser Untersuchung. Und das wären 3000 zusätzliche Kraftfahrzeuge (täglich!) für die Donaustadt. Genau das hab ich vorher versucht zu erklären, wenn es schon Gebiete mit 100% Auslastung gibt, dann ersticken wir im Verkehr, das geht nicht. Weder die Donaustadt noch einzelne Straßen der Donaustadt dürfen zum Parkplatz von Wien werden.

Wie geht es jetzt weiter? Was wird jetzt genau passieren?
Sobald das Parkpickerl eingeführt wird, werden wir uns unmittelbar danach ansehen, welche Auswirkungen das hat. Also wie viele Stellplätze dann noch frei sind und ob es Anpassungen braucht, zum Beispiel in Verkaufsstraßen/Gebieten.

Also wird es voraussichtlich freie Parkplätze geben, die nicht verwendet werden, wird man die alle beibehalten?
Nein, wir werden uns ansehen wie viel davon man sinnvoller verwenden kann.

Bedeutet?
Mehr Platz für Radfahrer, Fußgänger und Grünflächen.

Öfters hört man, dass die Menschen, die jetzt einen Platz in der Parkgarage haben, diesen aufgeben werden und auf die Straße wechseln.
Dazu kann es kommen, die Frage ist in welchem Ausmaß. Ich rechne aber nicht wirklich mit gravierenden Verschiebungen. Wahrscheinlich werden Parkplätze in Garagen auch billiger werden. Wie gesagt, wir werden uns die Situation dann ansehen.

Was passiert dann später, wie sieht der Verkehr der Zukunft aus?
Na ja Wien wächst jährlich um 20000 Personen. Die Donaustadt alleine um 4000. Das ist eine ganze Menge. Alleine daran sieht man, dass das Auto nicht das Verkehrsmittel der Zukunft sein kann oder eines ist, mit dem man irgendwelche Verkehrsprobleme lösen kann. Das Umdenken, denke ich hat schon begonnen, viele kommen heute schon ohne Auto aus.Ich denke, die wichtigsten Maßnahmen sind die Reduktion des Individualverkehrs und der Ausbau des Öffentlichen Verkehrs.

Lieber Ernst, vielen Dank für das interessante Gespräch!