Klatschen ist zu wenig

Wir haben Melanie Neppach die Bezirksrätin und Personalvertreterin der Klinik und Pflege Donaustadt ist gefragt, was sie von der Corona-Bonus Regelung hält.

Liebe Melanie,

als Personalvertreterin und diplomierte Krankenpflegerin weißt Du ja sehr viel über das Gesundheitssystem, was hältst Du vom Corona-Bonus.
Ich finde das Ausklammern einiger Berufsgruppen weder nachvollziehbar noch fair.

Du sprichst, dass zum Beispiel Haustechniker, Rettungskräfte, Ordinationsassistenzen durch die Finger schauen?
Ja zum Beispiel. Besonders als Spital ist man ein Team, ein Kollektiv an Zahnrädern, die nur gemeinsam das Uhrwerk betreiben können. Ein Pfleger kann seinen Job nicht machen, ohne dass die Haustechnikerin ihren gemacht hat und die Leute kommen nur durch das Rettungspersonal überhaupt ins Krankenhaus. Aber auch ohne Verwaltung funktioniert nichts. Ich kann dir auch sagen, dass im Lockdown bei steigenden Corona Zahlen wirklich jede Person, die im Spital tätig ist, eine furchtbar stressige Zeit hatte und sich damit den Bonus verdient hat.

Du denkst also, dass alle im Spital tätige Berufsgruppen einen Corona Bonus bekommen sollten?
Nicht nur. Meiner Meinung nach haben sich alle systemrelevanten Berufsgruppen diesen Bonus verdient. Man erinnere sich zurück an die Anfänge von Covid, niemand wusste, wie ansteckend, wie gefährlich, wie tödlich diese Krankheit ist.
Wir alle wussten nicht damit umzugehen, der Lockdown kam, man konnte nicht mehr alles einkaufen, aber alles für den täglichen Bedarf haben wir bekommen, und die Mistkübeln wurden auch ausgeleert!
Die Supermarktangestellten und die MA48, jetzt stellvertretend für viele andere genannt, haben sich diese staatliche Anerkennung genauso verdient wie alle anderen, die uns solidarisch ungeachtet der Risiken für die eigene Gesundheit durch die Krise geholfen haben. Am Fenster stehen und klatschen ist zu wenig.

Da werden dann immer die Kosten ins Treffen geführt.
Ja, finde ich auch interessant, der Bonus kostet uns 100 Millionen. Weißt du, was an Förderung an Unternehmen ausgezahlt wurde? Milliarden! Bei der AUA Rettung sind alleine schon 150 Millionen an nicht rückzahlbaren Zuschüssen geflossen, und wenns um 100 Millionen für die Menschen direkt geht, dann ist das plötzlich zu viel? Man hätte es auch direkt mit einer Wirtschaftshilfe verknüpfen können.

Wie kann man sich das vorstellen?
Man hätte den Bonus als Gutscheine auszahlen können, die man regional oder wie auch immer einlösen kann. Damit wäre auch der Wirtschaft geholfen.
So wie der Gastrogutschein von Michael Ludwig, der war ja auch ein sensationeller Erfolg. Viele Wirten haben gesagt, dass sie die Hälfte des Umsatzes nur mit dem Gutschein gemacht haben.

Vielen Dank für das nette Gespräch!