Über die Gedenktafel der Februarkämpfe im Goethehof

Über die Gedenktafel der Februarkämpfe im Goethehof - "Die hab ich zerschlagen. Die war nicht gut genug"

Warum das 50. Gedenkjahr der Februarkämpfe in der Donaustadt erst nach 51 Jahren gefeiert wurde, eine Erinnerung von Ruth Becher

Willi Soucek, ehem. Parteivorsitzender Stefan Schemer, Ruth Becher, Franz Pixner
Der beschossene Goethehof 1934

Die Februarkämpfe und die JG
Wir von der Jungen Generation haben uns immer sehr intensiv mit den Februarkämpfen auseinandergesetzt.
Man muss sich vorstellen, das war alles noch nicht so lange her, da konnte man sich noch an die Toten des Bürgerkriegs in Floridsdorf und an den zerschossenen Goethehof erinnern.
Nach wie vor bin ich auch der Überzeugung, dass man sich immer an die Vorgänge rund um die Februarkämpfe erinnern muss. Da gab es gezielte Provokation und Demütigung des politischen Gegners, autoritäre Politik, Regieren über Verordnungen und schließlich komplette Ausschaltung des Parlaments.

Die Gedenktafel
Ihr seht, das Thema ist sehr wichtig für mich und war es auch damals schon.
Deshalb haben wir von der Jungen Generation uns eingesetzt, im Goethehof eine Gedenktafel anbringen zu lassen. Der Goethehof war bei den Kämpfen nämlich ein Brennpunkt der Auseinandersetzungen, er wurde mit Artillerie beschossen und es gab sogar einen Fliegerangriff gegen die Arbeiterwohnungen.
Wir haben dann den Bildhauer Franz Pixner, der zuerst bei den Februarkämpfen uns später gegen die Franco-Diktatur gekämpft hat, gefragt, ob er uns nicht helfen könnte. Der Franz hat zugesagt, von der Jungen Generation haben wir das Material dafür bezahlt.

Nachruf an Franz Pixner in der Bezirkszeitung
Die Tafel wie man sie heute im Goethehof sieht

Die Enthüllung
Wir waren auch öfters bei ihm im Atelier hinten in der Nordrandsiedlung und haben geholfen, das Kunstwerk umzudrehen, weils ja recht schwer war. Ein paar Tage vor der Enthüllung sind wir dann wieder ins Atelier gekommen und auf die Frage, wo denn die Tafel sei die Antwort bekommen:

„Die hab ich zerschlagen. Die war nicht gut genug, das muss ich noch einmal machen.“

Uns hat dann fast der Schlag getroffen, weil in unserem jugendlichen Eifer haben wir bereits Einladungen drucken lassen und an Gott und die Welt geschickt gehabt. Es sind dann auch Leute aufgetaucht zu der Enthüllung der Tafel, die waren dann halt ein Jahr zu früh!
Letztendlich wurde die Tafel dann erst zum 51. Jahrestag enthüllt, und die Einladungen haben wir erst ausgeschickt, als die Tafel fertig war!